About vogelsang

Auf einem bewaldeten Bergsporn über der Urfttalsperre wurde in den Jahren 1934 bis 1936 die erste Ausbaustufe der „Ordensburg“ Vogelsang errichtet, eine Ausbildungsstätte für den Parteinachwuchs der NSDAP. Der Begriff „Ordensburg“ entsprang dem Bedürfnis der Partei- und Staatsführung, sich starker Symbole der deutschen Geschichte zu bemächtigen und sie ideologisch umzudeuten.
Bauherr war die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) unter ihrem Leiter Robert Ley, der u. a. hier das geraubte Vermögen der 1933 enteigneten deutschen Gewerkschaften ausgab und dies propagandawirksam als Wirtschaftsförderung für die ländliche Eifelregion inszenieren ließ. Ley war in Personalunion auch „Reichsorganisationsleiter“ der NSDAP und fühlte sich daher für die Stärkung und Entwicklung der Parteiführung zuständig. Als Architekten wählte er seinen Parteifreund Clemens Klotz aus Köln, der auch als Chefplaner der „Ordensburg“ Crössinsee in Pommern (Polen) und der nie fertig gestellten Ferienanlage der DAF in Prora auf Rügen verantwortlich zeichnete. Die Anlage von Vogelsang in einem zuvor mit gewaltigem Aufwand reliefmäßig aufbereiteten Hang sollte als Symbol der Herrschaft von Staat und Partei über die Natur verstanden werden.
Der Baukomplex Vogelsang ist keineswegs eine mittelalterliche Höhenburg, sondern ein moderner Zweckbau aus Stahlbeton mit Bruchsteinverblendung; der „Bergfried“ wurde als Wasserhochbehälter genutzt. Die Auszubildenden waren auch nicht Angehörige eines Ordens im Sinne der mittelalterlichen Rittergemeinschaften, sondern fanatisierte Anhänger des Systems, die sich großspurig und überheblich als „Junker“ bezeichneten.
Die „Ordensburg“ Vogelsang war einjährige Station eines insgesamt auf 3 ½ Jahre angelegten Schulungsverlaufs, den jedoch niemand der 500 pro Jahrgang aufgenommenen Parteimitglieder zu Ende bringen konnte. Mit dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 wurde der Betrieb eingestellt; die Auszubildenden meldeten sich zum Kriegseinsatz.

Nach verschiedenen Zwischennutzungen zwischen 1939 und 1944, unter anderem als Schulgebäude für „Adolf-Hitler-Schulen“, eine Art von Partei-Gymnasien, fiel Vogelsang im Februar 1945 nahezu unzerstört in die Hände der vorrückenden Alliierten. Die Gebäude standen leer und wurden von der Not leidenden Bevölkerung der Umgebung geplündert. Die britische Besatzungsmacht schuf 1946 rund um das Gelände einen Truppenübungsplatz und richtete Kommandantur und Kaserne ein. Dabei musste auch das nahe gelegene Eifeldorf Wollseifen auf Befehl der britischen Militärverwaltung geräumt werden.
1950 übernahmen die belgischen Streitkräfte den Standort und gaben ihm den Namen „Camp Vogelsang“. Es entstanden zahlreiche neue Baukomplexe; Vogelsang wurde schon früh NATO-Übungsgelände, das auch Einheiten der Bundeswehr nutzten.

Das Ende des „kalten Krieges“ und die Selbstauflösung des Warschauer Paktes führten schließlich zum Beschluss, den Standort Vogelsang zum 31.12.2005 aufzugeben.

1933         Baubeschluss für Schulungsburgen
1934         Baubeginn in Vogelsang
1936         Beginn des Lehrbetriebes, Vorbereitung 2. Bauphase
1939         Einstellung des Lehrbetriebes, Übergabe an Wehrmacht
1940         weitgehende Einstellung der Bauarbeiten
1941         Nutzung durch Adolf-Hitler-Schulen
1944         Zerstörung der Turnhalle, zweier „Kameradschaftshäuser“, des Süd-Osttrakts des „Adlerhofes“ und des Ostflügels durch alliierte Luftangriffe
1945         Besetzung durch US-Armee
1946         Vogelsang wird Truppenübungsplatz des britischen Militärs
1950         Übergabe an das belgische Militär
1955         NATO-Truppenübungsplatz unter belgischer Hoheit
08.12.2005         Rückgabe an die Bundesrepublik Deutschland
01.01.2006         Vogelsang öffnet sich für Besucher
21.01.2006         Anerkennung als Projekt der EuRegionale 2008

(Quelle: vogelsang ip)